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Revolte intern. Erledigendes zur Partei Die Linke & zum Neueren Konservatismus.

Lesung mit Felix Bartels
21. Oktober | 19 Uhr | Universität Leipzig (HSG), Hörsaal 8

Warum besteht alle Welt darauf, den Kampf innerhalb der Partei Die Linke im altbewährten Muster der grünen Bewegung als Streit zwischen Fundis und Realos zu sehen? Gerade wenn man weit links von Der Linken steht, sollte man sich nicht daran hindern lassen, diese Partei als Aufeinandertreffen dreier Spielarten des Sozialdemokratischen zu begreifen, in dem die vorgeblich Rechten die eigentliche Mitte stellen, während die Opposition dagegen als Fronde eines rechten und linken Flügels verstanden werden kann.

Der zweite Teil des Abends wird dem Neueren Konservatismus gewidmet sein, von dem der Autor glaubt, dass er nur erklärbar ist, wenn man über die Inhalte dieser Richtung hinaus die Art betrachtet, in der sie ihre An- und Absichten vorträgt. Die Pose – nirgends einfach bloß Nebensache – wird hier zum eigentlichen Inhalt. In der Gesamtschau von Sammelstellen wie der Achse des Guten oder der Tageszeitung Die Welt wird ein Hyperopportunismus erkennbar, der seine engagierte Anpassung als einsame Zivilcourage und bald verlorene Restvernunft darstellen muss.

Die Spielarten der politischen Irrationalität sind kaum zu zählen. Sie gleichen sich und gleichen sich nicht. Die Auswahl der zwei Texte soll zeigen, dass viele Wege nicht nach Rom führen. Beide Bewegungen, Die Linke und der Neudeutsche Konservatismus, scheitern nicht bloß in den Augen ihrer Gegner, sie scheitern an ihren eigenen Ansprüchen. Als interne Revolten pflegen sie einen Antikapitalismus, dessen Kraft auf der Vorstellung eines idealen Kapitalismus beruht, der niemals würde bestehen können.

Felix Bartels studierte Klassische Philologie und Philosophie an der Humboldt Universität zu Berlin und lebt als Herausgeber, Lektor, Literaturforscher und Autor in Eberbach nahe Heidelberg. Am 21. Oktober wird er aus seinem Buch »Odysseus wär zu Haus geblieben. Schutzschrift mit Anhang« lesen, das im September diesen Jahres beim Aurora Verlag (Berlin) erschienen ist.

Eine Veranstaltung des Arbeitskreises Gesellschaftskritik und des Bündnisses gegen Antisemitismus und Antizionismus Leipzig

Bundesregierung fördert Iran-Geschäfte – trotz geltender Sanktionen

Pressemeldung der Kampagne STOP THE BOMB vom 7.5.2015 (korrigierte Fassung vom 8.5.2015)

Deutsche Unternehmen und die Bundesregierung fördern das Iran-Geschäft derzeit mit Hochdruck. In Berlin empfängt Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel heute den iranischen Ölminister Bijan Zanganeh. Der Ölminister spricht außerdem auf dem „Energy Security Summit“ in Berlin, der von der Münchener Sicherheitskonferenz organisiert wird und unter der Schirmherrschaft von Frank Walter Steinmeier steht. Danach trifft sich Zanganeh laut iranischen Medienberichten außerdem mit Vertretern der Firmen Siemens, Linde und Lurgi.1

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Aus der Schublade eines Genossen

Der folgende Text war vom Autor ursprünglich als kritischer Nachtrag zum Abendprogramm der Konferenz „Kritische Theorie. Eine Erinnerung an die Zukunft“ Ende 2013 in Berlin angedacht. Da er aber nicht rechtzeitig und schließlich gar nicht fertiggestellt wurde, soll das durchaus lesenswerte Fragment nun hier zugänglich gemacht werden. Der Text ist auch als PDF-Version verfügbar.

Wegen Eurer Kleinkunst. Abgebrochene Selbstaufklärung über eine Samstagabendkatastrophe.

„Wie konnten Sie so eine Leichenschändung dulden? Warum haben Sie nicht dagegen geflucht und
gewettert? Ach, wir haben viel zu vieles ruhig hingenommen. […] Wir waren viel zu milde. Aber ich
schwöre, ich will mich bessern.“ (Rosa Luxemburg an Franz Mehring, 31.8.1915)

Man hätte besser die U-­Bahn genommen

Vom 29.11. bis 1.12.2013 fand an der Berliner Humboldt-Universität die Konferenz Kritische Theorie. Eine Erinnerung an die Zukunft statt. Für Samstagabend, den 30.11., hatten deren Veranstalter unter der Überschrift „Leichte, doch wohl auch kritische Unterhaltung“ zu einer Lesung „satirischer Anekdoten Eckhard Henscheids“ in die Schankwirtschaft Laidak geladen. Schon jene alberne, verschämt-unverschämte Ankündigungsformel im Programmheft, unter der man garantiert jedweden Müll als in gewisser Hinsicht interessantes Kulturgut anbieten kann, ließ vermuten, dass dieser Abend mindestens langweilig, tendenziell aber ein Durchwandern humoristischer Abgründe werden würde. Vollends bestätigt worden wäre diese Vermutung schon im Voraus, hätte man rechtzeitig einen Blick auf die Webseiten dieses Kritikfestivals geworfen. Dort hätte man nicht nur erfahren, dass es sich bei den erwähnten satirischen Anekdoten um Teile aus einem Buch mit dem untröstlich blöden Titel Wie Max Horkheimer einmal sogar Adorno hereinlegte. Anekdoten über Fußball, kritische Theorie, Hegel und Schach handelte, sondern auch, dass man vorab eine Performance unter dem im schlechten Sinn vielversprechenden Motto Übersetzung Critique Repetitions & Other Fehler erleben müssen würde. Spätestens hier wäre jedem Restvernünftler klar gewesen, dass stundenlanges Herumgondeln in der Berliner U-Bahn mit dem ohnehin einmal erworbenen Tagesticket die sinnvollere und erfahrungsreichere Abendgestaltung gewesen wäre und dass man das zufällige Angebot einer Mitfahrgelegenheit ins neuköllner Szenelokal trotz des Sauwetters hätte ablehnen sollen. Was sich an jenem Abend vollzog, war schließlich das genaue Gegenteil von Kunst und Unterhaltung als Ausflucht aus einer von schwer bewaffneter Tristesse umstellten Existenz: praktizierter Umfall in kreative Grausamkeit, bruchlose Fortschreibung zeitgenössischer Alltagsidiotie mit künstlerischen Mitteln.

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