Archiv der Kategorie: Internationale Politik

Veranstaltungshinweis für den 12. März

Auf folgende Veranstaltung des Junges Forums der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Leipzig möchten wir hiermit hinweisen:

Antisemitismus im heutigen Griechenland

Vortrag und Diskussion mit Dimitri Kravvaris
12. März | 17 Uhr | Galerie für zeitgenössische Kunst (Karl-Tauchnitz-Straße 9-11)

Seit Jahrzehnten ist Judenfeindlichkeit ein verbreitetes Phänomen in der griechischen Politik, Medienszene und Gesellschaft. Die erste weltweite Studie zum Antisemitismus, geführt 2014 von der amerikanischen Organisation Anti-Defamation League, verwies darauf, dass das Ausmaß der antisemitischen Einstellungen in Griechenland mit den Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas vergleichbar ist. Im Vortrag wird sowohl auf jüngste Ereignisse fokussiert, die den Mainstream-Charakter des griechischen Antisemitismus aufweisen, als auch auf die These des „Holocausts der Griechen“, die vornehmlich von der Querfront Syriza-Unabhängige Griechen getragen wird. Das widersprüchliche Verhältnis der Regierungskoalition zu Israel wird ebenso analysiert.

Dimitri Kravvaris dokumentiert regelmäßig antisemitische Vorfälle in Griechenland auf dem Blog Against Antisemitism. Er ist auch Mitglied des Projektes Watch: Antisemitism in Europe.

Der iranische Vormarsch

Vortrag und Diskussion mit Thomas von der Osten-Sacken
23. Juni | 19 Uhr | Universität Leipzig (HSG) | Hörsaal 2

Spätestens seit der Iran vom Westen als Partner im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ behandelt wird, dehnt die Islamische Republik ihren Einfluss im Nahen Osten in atemberaubendem Tempo aus. Man kontrolliere jetzt vier arabische Hauptstädte, erklärte jüngst ein Berater des Präsidenten Rohani. Gemeint sind Bagdad, Damaskus, Beirut und San’a. Überall in der Region unterstützt der Iran schiitische Milizen, deren Vorgehen sich in Brutalität wenig von dem des „Islamischen Staates“ unterscheidet und schürt so die sunnitisch-schiitischen Spannungen noch weiter. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Unter Führung Saudi Arabiens griffen kürzlich zehn arabische Staaten die vom Iran unterstützen Houthi-Rebellen im Jemen an. Auch der Bürgerkrieg in Syrien hat sich längst in einen regionalen Stellvertreterkrieg verwandelt. Dem ganzen Nahen Osten droht ein langanhaltender Krieg mit verheerenden Folgen. Derweil könnten in Kürze die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden, nachdem der Westen und Teheran sich in Lausanne auf ein nukleares Rahmenprogramm geeinigt haben. Israel aber auch die sunnitisch-arabischen Staaten lehnen dieses Abkommen kategorisch ab, fürchten sie doch, dass der Iran weiter den Bau von Nuklearwaffen vorantreibt und in Zukunft nur noch aggressiver in der Region agieren wird. Was ihr langfristiges Ziel ist, verhehlen die Führer in Teheran dabei nicht einmal: Die Vernichtung Israels und die Errichtung eines neues iranischen Imperiums im Nahen Osten.

Thomas von der Osten-Sacken ist Geschäftsführer von WADI e.V., einer Hilfsorganisation, die seit 1991 schwerpunktmäßig in Irakisch-Kurdistan versucht, Demokratisierungs- und Gesetzgebungsprozesse voranzubringen und beim Aufbau lokaler Medien hilft. Außerdem berichtet er regelmäßig für die Wochenzeitschrift Jungle World und andere Medien über aktuelle Entwicklungen im Nahen Osten.

Bundesregierung fördert Iran-Geschäfte – trotz geltender Sanktionen

Pressemeldung der Kampagne STOP THE BOMB vom 7.5.2015 (korrigierte Fassung vom 8.5.2015)

Deutsche Unternehmen und die Bundesregierung fördern das Iran-Geschäft derzeit mit Hochdruck. In Berlin empfängt Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel heute den iranischen Ölminister Bijan Zanganeh. Der Ölminister spricht außerdem auf dem „Energy Security Summit“ in Berlin, der von der Münchener Sicherheitskonferenz organisiert wird und unter der Schirmherrschaft von Frank Walter Steinmeier steht. Danach trifft sich Zanganeh laut iranischen Medienberichten außerdem mit Vertretern der Firmen Siemens, Linde und Lurgi.1

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Verhandeln bis zur Bombe? Das iranische Regime unter Rohani & die westliche Iran-Politik.

Vortrag und Diskussion mit Stephan Grigat
18. Mai | 19 Uhr | Universität Leipzig (HSG) | Hörsaal 8

Nach der Vereinbarung mit dem iranischen Regime von Lausanne war in deutschen Medien von einem „historischen Abkommen“ die Rede, das eine gute Lösung für das Problem der Nuklearrüstung der Ajatollahs bieten würde. Im Vortrag soll gezeigt werden, warum diese Vereinbarung weder gut noch ein „Abkommen“ ist. Vor diesem Hintergrund soll nach fast eineinhalb Jahren der Präsidentschaft Hassan Rohanis ein Blick auf die Realität im Iran geworfen werden: Was ist geblieben von den „Reformversprechen“ und der Charmeoffensive gegenüber dem Westen? Was bedeuten die fortgesetzten Vernichtungsdrohungen, die Leugnung des Holocaust und die westliche Iran-Politik für Israel? Zudem soll ein Blick auf die besondere Rolle Deutschlands und Österreichs geworfen werden, die beide auch aktuell trotz aller Sanktionen zu den wichtigsten Handelspartnern des Iran zählen.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Universität Wien, Wissenschaftlicher Direktor von STOP THE BOMB und Mitherausgeber von „Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur & ihrer europäischen Förderer“ (2008) sowie „Iran im Weltsystem. Bündnisses des Regimes & Perspektiven der Freiheitsbewegung“ (2010). 2014 veröffentlichte er sein Buch „Die Einsamkeit Israels. Zionismus, die israelische Linke & die iranische Bedrohung“.

Die antisemitische Ideologie der Islamischen Republik Iran

Vortrag und Diskussion mit Ulrike Marz
21. Mai | 19 Uhr | Universität Leipzig (HSG) | Hörsaal 11

Antisemitismus ist ein zentrales Element der Ideologie des iranischen Regimes. Schon der einstige Revolutionsführer Khomeini war in einer klassischen Projektion seiner eigenen globalen Herrschaftsgelüste davon überzeugt, er müsse gegen die Errichtung eines „jüdischen Weltstaats“ kämpfen. Im Vortrag wird über den Status der heute im Iran lebenden Juden als systematisch diskriminierte Minderheit gesprochen, die Holocaust-Leugnung durch zentrale Vertreter des iranischen Regimes analysiert sowie die Bedeutung der Hetzschrift „Die Protokolle der Weisen von Zion“ herausgearbeitet. Neben der Darstellung der semantischen Dimension, die vielfach der Rhetorik des modernen europäischen Antisemitismus ähnelt, soll gezeigt werden, dass der iranische Antisemitismus weder als Import aus den westlichen Gesellschaften, noch als aus dem Islam entspringend zu verstehen ist. Der iranische Antisemitismus ist eine moderne Ideologie, die mit antimodernen Inhalten und modernen Mitteln an ihrer Durchsetzung arbeitet.

Ulrike Marz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie und Demographie der Universität Rostock. Im Jahr 2014 veröffentlichte sie die Studie „Kritik des islamischen Antisemitismus. Zur gesellschaftlichen Genese und Semantik des Antisemitismus in der Islamischen Republik Iran.“.