Veranstaltungshinweis für den 4. August

Auf folgende Veranstaltung der „Initiative Emanzipation & Antifaschismus“ möchten wir hinweisen:

Über „Tabubrecher“ und „Israelkritiker“

Vortrag und Diskussion mit Philipp Lenhard
4. August | 19 Uhr | Universität Leipzig (Zweigstelle Orientwissenschaften, Schillerstraße 6) | Raum S 202

„So wahr es ist, daß man den Antisemitismus nur aus unserer Gesellschaft heraus verstehen kann“, schrieb Max Horkheimer 1941 an Harold Laski, „so wahr scheint es mir auch zu werden, daß nun die Gesellschaft angemessen nur durch den Antisemitismus verstanden werden kann.“ Als Horkheimer diesen Gedanken formulierte, hatte er noch die nationalsozialistische „Volksgemeinschaft“ vor Augen. Zusammen mit Adorno verfasste er wenig später einen analytischen Text über die Elemente des Antisemitismus, in dem er seine Entdeckung noch zuspitzte: Nicht nur die nationalsozialistische Gesellschaft sei durch die Rolle, die der Antisemitismus in ihr spielte, zu verstehen, sondern das Misslingen von Zivilisation schlechthin. Oft ist der Kritischen Theorie daraufhin zum Vorwurf gemacht worden, sie abstrahiere zu sehr von historischen Besonderheiten, um noch zu differenzierten politischen Urteilen gelangen zu können. In Wahrheit ist das Verständnis der „ursprünglichen Akkumulation“ der Judenfeindschaft die Voraussetzung dafür, deren historisch kontingente Erscheinungsformen erkennen zu können. Eine bloße Tabuisierung verdächtiger Redeweisen verleiht scheinbar mutigen „Tabubrechern“ vom Schlage eines Jürgen Elsässer Anziehungskraft und erteilt all jenen ein Placet, die sich den jeweils angesagten Jargon angeeignet haben und ihre Judenfeindschaft politisch korrekt formulieren. So kann noch die moralische Verurteilung des „ehrlosen Antisemitismus“ der NPD oder der Montagsdemonstranten dem „ehrbaren Antisemitismus“ des „Israelkritikers“ in die Hände spielen.

Philipp Lenhard ist Redakteur der Zeitschrift Prodomo und Mitherausgeber des Sammelbandes „Gegenaufklärung. Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft.“ (Freiburg 2011).

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