Der Krieg in Syrien

Vortrag und Diskussion mit Florian Markl
14. November | 19 Uhr | Universität Leipzig (HSG) | Hörsaal 8

Nachdem in Tunesien und Ägypten bereits zwei Regime gestürzt worden waren, begannen im März 2011 in Syrien Demonstrationen gegen die Herrschaft von Machthaber Bashar al-Assad. Der Diktator, der sein Amt im Jahr 2000 von seinem Vater Hafiz al-Assad „geerbt“ hatte, setzte von Anfang an auf Gewalt, um die Proteste zum Erliegen zu bringen. Erfolg war ihm damit nicht beschieden: Statt die Opposition zum Schweigen zu bringen, setzte die immer brutalere Repression durch regimetreue Kräfte nach mehreren Monaten des weitgehend friedlichen Protests einen Prozess der Militarisierung der Rebellion in Gang. Interne wie externe Faktoren trugen dazu bei, dass das Land in einen Bürgerkrieg versank, dem mittlerweile über 115.000 Menschen zum Opfer gefallen sind.
Um die Entwicklung in Syrien zu verstehen, muss einerseits der spezifische Charakter eines Systems betrachtet werden, in dem seit über vier Jahrzehnten unter dem Deckmantel der arabisch-nationalistischen Baath-Ideologie ein wesentlich von Angehörigen der alawitischen Minderheit getragenes Regime alles ihm Mögliche unternahm, um an der Macht zu bleiben. Eine Mischung aus Kooption und Repression, positionierte es sich sowohl gegenüber der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit, als auch gegenüber anderen ethnischen wie religiösen Minderheiten im Lande, allen voran Christen und Kurden.
Andererseits muss die Entwicklung der letzten zweieinhalb Jahre vor dem Hintergrund des Kalten Krieges im Nahen Osten analysiert werden, zu dessen blutigem Austragungsort Syrien geworden ist. Während das syrische Regime sich ohne die tatkräftige Unterstützung durch den Iran und die libanesische Hisbollah kaum hätte halten können, versuchen verschiedene regionale Akteure wie die Türkei, Katar oder Saudi-Arabien ihren Einfluss auf die Opposition und die zunehmend islamistisch ausgerichteten kämpfenden Rebellengruppen geltend zu machen. Darüber hinaus hat das Assad-Regime in Russland einen treuen Verbündeten, während der Westen bislang zu keiner konsistenten Linie zum Krieg in Syrien gefunden und in vielerlei Hinsicht dazu beigetragen hat, die Lage noch schlimmer zu machen, als sie ohnehin schon ist.

Florian Markl hat in Wien Politikwissenschaft, Geschichte und Philosophie studiert, war Archivar und Historiker beim „Allgemeinen Entschädigungsfonds für Opfer des Nationalsozialismus“ und arbeitet seit Ende 2011 für die Medienbeobachtungsstelle Naher Osten (MENA) in Wien.

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